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Haltung der Compagnie LEMOUR zum Fairness Codex
Die Compagnie LEMOUR orientiert ihre Zusammenarbeit an den vier Bereichen Respekt und Wertschätzung, Transparenz, Nachhaltigkeit und Vielfalt.
Für uns bedeutet Fairness vor allem, aufmerksam miteinander zu arbeiten, unterschiedliche Lebenssituationen zu berücksichtigen, Entscheidungen gemeinsam zu tragen und gute Arbeitsbedingungen auch innerhalb der begrenzten Möglichkeiten einer freien Compagnie zu schaffen.
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Wir verstehen diese Haltung als einen fortlaufenden Prozess. Was wir bereits praktizieren, möchten wir beibehalten und weiterentwickeln. Gleichzeitig wollen wir unsere Arbeitsweise immer wieder gemeinsam überprüfen und dort verändern, wo wir Verbesserungsmöglichkeiten sehen.
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Ansprechperson und Verantwortliche für die Einhaltung des Fairness Codex ist Miriam Kerneza.
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1. Respekt und Wertschätzung
Das Kernteam von LEMOUR – Miriam, Sarah und Ben – arbeitet seit sieben Jahren kontinuierlich zusammen. Uns verbindet nicht nur die gemeinsame künstlerische Arbeit, sondern auch eine enge Freundschaft. Wir verbringen auch außerhalb der Proben Zeit miteinander, kochen und feiern gemeinsam, unternehmen Ausflüge und teilen einen Freundeskreis. Daraus ist eine Gesprächskultur entstanden, in der auch schwierige Gedanken, Sorgen, persönliche Themen und Konflikte ausgesprochen werden können.
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Diese Offenheit ist für unsere Zusammenarbeit wesentlich. Wir möchten, dass jede Person sagen kann, wenn etwas nicht funktioniert, sich etwas verändert hat oder eine Situation gerade nicht gut passt.
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Wir nehmen Rücksicht auf persönliche Bedürfnisse und unterschiedliche Tagesverfassungen. Bei körperlichem Unwohlsein besteht beispielsweise die Möglichkeit, zu Hause zu bleiben oder eine Probe beobachtend von außen zu begleiten. Auch die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie berücksichtigen wir in unserem Arbeitsalltag. Wenn die Kinderbetreuung für die gemeinsame Tochter von Sarah und Miriam ausfällt, organisieren wir die Betreuung innerhalb des Teams, sodass die Probenarbeit trotzdem stattfinden kann.
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Unsere Probentage haben eine klare Grundstruktur:
• Ankommen in einem zeitlichen Rahmen, nicht zu einer starren Uhrzeit
• gemeinsames Training
• künstlerische Probenarbeit
• organisatorische Besprechungen
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Die flexible Ankommenszeit gibt Raum für persönliche Gespräche und ein gemeinsames Ankommen. Gleichzeitig legen wir einen verbindlichen Endzeitpunkt fest. Diese Struktur haben wir bewusst entwickelt, weil wir aus früheren Arbeitsprozessen wissen, dass wir uns sonst leicht in Proben und Besprechungen verlieren.
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Wir möchten außerdem körperliche und persönliche Grenzen innerhalb der künstlerischen Arbeit respektieren. Körperkontakt, körperlich intensive Situationen und persönliche Grenzen sollen angesprochen werden können und nicht einfach vorausgesetzt werden.
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Für die Zukunft möchten wir unsere gemeinsame Reflexion der Arbeitsprozesse noch stärker verankern. Dazu gehört für uns, regelmäßig gemeinsam zu besprechen, wie die Zusammenarbeit funktioniert, wo Belastungen entstehen und ob Veränderungen notwendig sind.
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Auch klare Vergütung und vorausschauende Planung gehören für uns zu einem respektvollen Umgang. Arbeitsumfang, Probenzeiten und Bezahlung sollen möglichst frühzeitig geklärt werden.
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2. Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit beginnt für LEMOUR im täglichen Arbeitsalltag. Wir versuchen, unsere vorhandenen Ressourcen bewusst einzusetzen und unnötigen Verbrauch und unnötige Wege zu vermeiden.
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Zu Proben reisen wir nach Möglichkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Fahrrad. Bei Produktionen möchten wir Materialien möglichst lange verwenden und Bühnenbild, Requisiten und Kostüme nicht für eine einzelne Produktion herstellen und anschließend entsorgen.
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Bei zukünftigen Produktionen möchten wir noch stärker darauf achten,
• vorhandene Materialien wiederzuverwenden,
• gebrauchte oder geliehene Materialien und Kostüme zu nutzen,
• Produktionsmaterialien nach Möglichkeit weiterzugeben oder für andere Zwecke einzusetzen,
• Transporte möglichst gering zu halten,
• Tourneen geografisch sinnvoll zu planen und unnötige Wege zu vermeiden,
• bei Gastspielen möglichst auf bereits vorhandene Ausstattung vor Ort zurückzugreifen.
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Auch unsere Arbeitsbedingungen verstehen wir als Teil von Nachhaltigkeit. Gerade in einer körperlich arbeitenden Compagnie ist es uns wichtig, mit den eigenen Kräften verantwortungsvoll umzugehen und langfristig arbeitsfähig zu bleiben. Realistische Arbeitszeiten, Pausen und eine gute Planung sollen dazu beitragen, Überlastung zu vermeiden.
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Wir möchten diesen Bereich in den kommenden Produktionen konkreter machen und Nachhaltigkeitsaspekte bereits bei der Produktionsplanung mitdenken, anstatt sie erst am Ende zu berücksichtigen.
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3. Vielfalt
Vielfalt beginnt für LEMOUR mit der Frage, wie Menschen mit ihren unterschiedlichen Lebenssituationen an unserer Arbeit teilnehmen können.
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Wir berücksichtigen familiäre Verpflichtungen bei der Planung unserer Arbeitszeiten. Proben finden nach Möglichkeit vormittags statt, damit sie mit der Kinderbetreuung vereinbar sind. Wenn Betreuung kurzfristig ausfällt, versuchen wir innerhalb des Teams Lösungen zu finden.
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Auch unterschiedliche körperliche Voraussetzungen sollen in unserer Arbeitsweise berücksichtigt werden. Wir möchten nicht von einem einheitlichen Körper oder einer einheitlichen Leistungsfähigkeit ausgehen, sondern die jeweiligen Möglichkeiten der Beteiligten in die künstlerische Arbeit einbeziehen.
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In unseren künstlerischen Arbeiten möchten wir unterschiedliche Lebensrealitäten sichtbar machen. Queere Figuren und Beziehungen sind selbstverständlich Teil unserer Stücke, ohne dass ihre sexuelle Orientierung oder Identität zum Problem oder zur Erklärung der Figur gemacht werden muss.
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Gleichzeitig möchten wir darauf achten, Figuren und Menschen nicht auf stereotype Merkmale zu reduzieren.
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Für die Zukunft möchten wir uns stärker damit auseinandersetzen, wer Zugang zu unserer Arbeit hat und welche Barrieren möglicherweise bestehen. Das betrifft sowohl die Zusammenarbeit innerhalb der Compagnie als auch unser Publikum. Bei der Auswahl von Proben- und Aufführungsorten wollen wir beispielsweise stärker auf Zugänglichkeit achten und Informationen dazu möglichst frühzeitig berücksichtigen.
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Wir wollen außerdem unsere eigene Perspektive immer wieder hinterfragen und offen dafür bleiben, von Menschen mit anderen Erfahrungen zu lernen.
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4. Transparenz
LEMOUR arbeitet als kleines Team in sämtlichen Belangen kollektiv. Künstlerische Entscheidungen entstehen im gemeinsamen Austausch und werden nicht ausschließlich von einer einzelnen Person getroffen. Jede Person bringt ihre Perspektive, Ideen und Fähigkeiten in den Prozess ein.
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Auch organisatorische und finanzielle Fragen werden innerhalb des Teams besprochen. Wir wollen nachvollziehbar machen, welche finanziellen Mittel für eine Produktion zur Verfügung stehen und wofür sie eingesetzt werden. Entscheidungen über Ausgaben und die Verteilung des vorhandenen Budgets werden gemeinsam besprochen.
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Honorare und Arbeitsumfang sollen möglichst frühzeitig geklärt werden. Wenn unterschiedliche Aufgaben, Verantwortlichkeiten oder Arbeitsumfänge zu unterschiedlichen Vergütungen führen, möchten wir dies transparent und nachvollziehbar kommunizieren.
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Auch Zuständigkeiten wollen wir möglichst klar festlegen: Wer übernimmt welche organisatorischen Aufgaben? Wer kümmert sich um Förderungen, Kommunikation, Produktion oder Tourneeplanung? Dadurch soll sichtbar sein, wer wofür verantwortlich ist und wo Entscheidungen getroffen werden.
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Wir möchten außerdem darauf achten, dass unbezahlte Arbeitszeit nicht unsichtbar bleibt. Vorbereitungen, organisatorische Tätigkeiten und zusätzliche Arbeitsaufwände sollen bei zukünftigen Produktionen bewusster erfasst und bei der Planung berücksichtigt werden.
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Für die Weiterentwicklung unserer Zusammenarbeit möchten wir unsere Entscheidungs- und Kommunikationsstrukturen immer wieder überprüfen. Dabei soll auch Raum für Kritik und unterschiedliche Meinungen bleiben. Wenn Entscheidungen nicht gemeinsam getroffen werden können, möchten wir transparent machen, wie und von wem eine Entscheidung getroffen wird.
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Gemeinsamer Ausblick
LEMOUR versteht den Fairness Codex nicht als etwas, das mit einer schriftlichen Erklärung abgeschlossen ist. Vieles von dem, was für uns heute selbstverständlich ist, ist aus unserer langjährigen Zusammenarbeit entstanden. Gleichzeitig wissen wir, dass sich Arbeitsbedingungen, Teamstrukturen und Lebenssituationen verändern.
Wir möchten deshalb regelmäßig überprüfen, wie wir miteinander arbeiten, welche Bedingungen wir schaffen und wo wir unsere Praxis verbessern können. Dabei wollen wir unsere Arbeitsweise realistisch an den Möglichkeiten einer freien Compagnie ausrichten und trotzdem Schritt für Schritt bessere und fairere Bedingungen schaffen.